Hermann Nitsch 20.04. - 23.05.2026

„meine arbeit ist eine feier des lebens und des todes, eine erinnerung daran, dass wir alle teil des ewigen zyklus des seins sind.“

Hermann Nitsch war ein zentraler Vertreter des Wiener Aktionismus sowie Maler, Komponist und Bühnenbildner. Mit seinem „Orgien Mysterien Theater“ entwickelte er ein radikales Gesamtkunstwerk, das Leben, Körper und Sinne intensiv erfahrbar machen sollte. Seine Malerei war dabei Ausgangspunkt und Ergebnis zugleich. Im Mittelpunkt stand nicht das fertige Bild, sondern der körperliche, expressive Malprozess. Ein Akt zwischen Ekstase und Ritual.

Bekannt wurde Nitsch vor allem durch seine Schüttbilder, die ab den 1960er-Jahren entstanden. Zunächst dominierte die Farbe Rot als Symbol für Blut, Leben und Tod, später erweiterte er seine Palette um weitere intensive Farben.

„…am anfang stand das rot und das blut, auch das schwarz. und später habe ich alle farben des regenbogens eingesetzt…“

Sein künstlerisches Credo lässt sich so zusammenfassen:
Er malte nicht den Körper selbst, sondern das Empfinden des Körpers.


Kiki Kogelnik 20.11.2025 - 10.01.2026

Kiki Kogelnik zählt zu den bedeutendsten österreichischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie gilt als die einzige Protagonistin der Pop Art in Österreich – doch ihr Werk reicht weit über diese Zuschreibung hinaus. Kogelniks Kunst ist spielerisch, kritisch, farbenfroh und zugleich hochpolitisch. Ihre Themen weisen eine erstaunliche Aktualität auf, welche sie sowohl in Malerei, Zeichnung, Keramik, Glas, Bronze und Installationen bis hin zu performativen Praktiken zum Ausdruck brachte. Sie studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und hatte ihre erste Einzelausstellung in der Galerie St. Stephan. Seit Mitte der 1950er Jahre gehörte sie zur Avantgarde um Monsignore Otto Mauer, in dessen Galerie St. Stephan sie mit Ausstellungen wie „Kunst kommt von Künstlich“ Aufsehen erregte.
Reisen durch Europa und die Begegnung mit Sam Francis veranlassten Kogelnik 1962 dazu, nach New York zu übersiedeln. Dort etablierte sie sich schnell in der lebendigen Kunstszene und ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Sie arbeitete nun mit Schablonen und verwendete Materialien wie Vinyl oder Plastik. Fortan pendelte sie zwischen New York, Wien und Bleiburg und entwickelte ein außergewöhnliches und vielseitiges Oeuvre, in dem sie sich mit Themen wie Körper, Technik, Konsum und Geschlechterrollen auseinandersetzte.

Mit humorvoller Abgründigkeit, scharfer Pointe, kühner Ästhetik und dem Sendungsbewusstsein der Popkultur hinterfragt Kogelnik Schönheitsideale und Rollenbilder und findet dabei ihren einzigartigen Weg. Ihre Kunst ist aus heutiger Sicht eines der mannigfaltigsten und eigenständigsten Beispiele für die frühe Kunst der Postmoderne.


Maria Lassnig 15.09. – 08.10.2025

„Ich male nicht den Blick auf den Körper, sondern das Körpergefühl.“
„Ich male und zeichne nicht den ‚Gegenstand‘ Körper, sondern ich male Empfindungen vom Körper“

Maria Lassnig zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen der österreichischen Moderne und war eine radikale Pionierin der subjektiven Malerei. Ihr zentrales Konzept – die sogenannte „Körperbewusstseinsmalerei“ – stellt nicht das äußere Erscheinungsbild, sondern das innere Spüren des Körpers in den Mittelpunkt. Lassnig fragte nicht: Wie sehe ich aus?, sondern: Wie fühle ich mich? Ihre Bilder sind direkte Übersetzungen körperlicher Empfindungen – Schmerz, Druck, Leere, Fremdheit – in Farbe und Form.
Nach dem Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien setzte sie sich in den 1950er-Jahren intensiv mit dem Informel auseinander und lebte u. a. in Paris und später in New York, wo sie sich mit feministischer Kunst und Animationsfilm beschäftigte. Ihr Werk entwickelte sich dabei stets jenseits von stilistischen Konventionen. In ihren oft schonungslos offenen Selbstporträts tritt sie uns nicht als Idealbild entgegen, sondern als fragiles, fühlendes Ich, das Alter, Schmerz, Unsicherheit und Stärke gleichermaßen sichtbar macht.

Lassnigs Werk ist tief autobiografisch und zugleich universell. Es geht um das Verhältnis von Innen und Außen, Subjekt und Welt – und um die Frage, wie wir uns selbst überhaupt wahrnehmen können. Als eine der ersten Professorinnen für Malerei im deutschen Sprachraum (ab 1980 an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien) wurde sie zu einer wichtigen Stimme in der Kunstlandschaft – unbequem, mutig und wegweisend.


Best – Of Zetter ▪ Projects 01.05. - 31.08.2025

Über den Sommer 2025 zeigen wir bei Zetter ▪ Projects ein Best-Of der vergangenen Ausstellungen. Von der Eröffnung im April 2024 mit Werken von Hans Bischoffshausen und Karl Prantl bis zur eben geendeten Ausstellung Welten von Gunter Damisch präsentieren wir ein Kaleidoskop österreichischer Meisterwerke. Entdecken Sie eine monatlich wechselnde Zusammenstellung von Werken von Erwin Wurm, Thomas Reinhold, Marc Adrian, Hubert Schmalix und vielen anderen.


Gunter Damisch 10.03. – 26.04.2025

Welten

Beim ersten Anblick der unverwechselbaren Werke von Gunter Damisch, der als ein Hauptvertreter der „Neuen Wilden“ in Österreich gilt, macht es den Anschein, als schaue man durch ein überdimensionales Mikroskop und erhalte einen Einblick in eine wundersame Welt von Riesenmikroben, -wimpertierchen und -amöben, die gleichzeitig nah- und fernsichtig, groß und klein, wirken. Damisch beschrieb seine Malerei als eine Herausforderung für sich und ebenso als Möglichkeit, eigene Welten zu erschaffen. Diese einzigartigen Welten und grenzenlosen, kosmischen Bildräume, die er kreierte, sind von seinem typischen Formenrepertoire geprägt. In seiner individuellen Bildweltordnung finden sich „Welten“, „Felder“, „Wege“, „Netze“, „Flimmern“, „Steher“ oder „Flämmler“, die sich über die Bildränder in die Unendlichkeit ausbreiten und sich einmal geballt zu dichten Haufen, ein anderes Mal explosionsartig auseinanderstiebend über die Bildfläche verteilen und den Eindruck stetiger Bewegung vermitteln. Damisch Ölgemälde zeichnen sich durch intensive und kontrastreiche Farbigkeit aus. Durch den für ihn so typischen pastosen Farbauftrag gelang es ihm außerdem seine Bilder in eine dritte Dimension zu führen. Diesen Ansatz führte Damisch in seinen außergewöhnlichen, skulpturalen Arbeiten weiter.
Die Auseinandersetzung mit Gunter Damisch Bildordnungen ist ein wundersames Eintauchen in einzigartige Welten.


Thomas Reinhold

Thomas Reinhold 10.01. - 22.02.2025

Das Bild als Double

Thomas Reinhold (geb. 1953 in Wien, lebt und arbeitet in Wien und Walkersdorf/NÖ) ist einer der anerkanntesten Proponenten österreichischer Malerei. Sozialisiert im Umfeld der „Neuen Wilden Malerei“ Ende der 1970er Jahre hat er jedoch die große Geste und den expressiven Duktus ad acta gelegt und sein malerisches Werk konsequent und individualistisch weiterentwickelt. Ein besonderes Merkmal von Thomas Reinholds Malerei ist, dass sie ohne Pinsel auskommt. Farbe und Leinwand berühren sich nicht über den Umweg des Pinsels, sondern begegnen sich unvoreingenommen und pur. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Thomas Reinhold seine malerischen Ergebnisse dem Zufall überlässt. Durch genau ausgeklügelte Schüttbewegungen und Aufheben, sowie sachtes Bewegen der liegenden Leinwand erzielt der Künstler atemberaubende malerische Effekte: Rinnsale, Farbüberlagerungen und -verläufe, Regelmäßigkeiten und Störeffekte – alles nur auf Basis von reiner Farbe, die unmittelbar mit der Leinwand in Kontakt tritt.

Der Schwerpunkt der Ausstellung bei zetter projects liegt auf rezenten Arbeiten im Mittel-und Großformat. Die Palette, derer sich der Künstler bedient, wird in den letzten Jahren von gedeckten Rot- und Gelbtönen dominiert, die Thomas Reinhold immer wieder mit Grau in verschiedensten Schattierungen zusammenbringt. Rundungen, Ovale, Farbsegmente, deren form- und körperbildende Farbe zu allen vier Seiten „ausläuft“: Vor einem Gemälde von Thomas Reinhold zu stehen und dieses eingehend zu betrachten bedeutet, sich Zeit zu nehmen, genau zu schauen. Hat man einmal das große Ganze visuell erfasst, beginnt das Auge sofort die Mikroebene der einzelnen Farbflächen, ihre Überschneidungen, Begrenzungen, ihre Ausfransungen und Ausläufer zu verfolgen und dabei eine unendliche Vielzahl an Farbschattierungen und -texturen zu scannen. Thomas Reinholds Bilder sind daher immer wieder neu, bleiben offen und verkörpern kongeniale Partner des Sehakts an sich – sie sind niemals völlig „erschaut“, scheinen sich im Auge der Betrachter:innen stets neu zu erfinden. Und ja, es ist abstrakte Malerei, die wir hier vor uns haben, aber, wie es der Künstler Ingo Nussbaumer beschrieben hat, „gegenständlich formuliert“. Damit ist einerseits ein Realismus gemeint, der nicht an eine konkrete Darstellung, sondern an den Vorgang, den Prozess des Malens gekoppelt ist. Andererseits birgt Thomas Reinholds Malerei ein großes Maß an Spontaneität, die ein Erfahren bzw. Handeln auf der Sinnesebene mit einem Verstehen zusammenführt.

Das sinnlich-malerische Element vereinigt sich bei Thomas Reinhold mit einem intellektuell-konzeptionellen Anspruch, auf den auch die Titel seiner stets in Serie entstehenden Arbeiten verweisen: Enchanté (2007), Bild (2018), Matrix (2020) oder Curva (2022) etwa markieren das theoretische Substrat in Reinholds künstlerischer Arbeit. Auch der Ausstellungstitel stellt eine Reverenz an Antonin Artauds Essay-Band „Das Theater und sein Double“ dar, in dem der französische Schauspieler und Theatermacher nichts weniger als die Auffassung von Theater als etwas propagiert, was sich nicht der Nachahmung von Realität verschrieben hat, sondern auf transformative und wirklichkeitsgestaltende Prozesse fokussiert. Wie das Theater hat auch das Bild seinen Ursprung im Ritual und im Kult. Dies setzt Thomas Reinhold  für seine Bilder um, die, jedes für sich, Fenster in Welten zu sein scheinen, in denen Gegensätze zusammenkommen dürfen, Farbflächen einander überlagern, Rinnsale zu den Seiten des Bildgevierts streben, Helligkeit und Dunkelheit sich nicht bekämpfen, sondern gerade durch ihre beidseitige Präsenz den Bildraum in Spannung halten.

Und auch wenn sich Thomas Reinhold bewusst und nachhaltig für das langsame Medium der Malerei entschieden hat: Man kommt nicht umhin, in diesen Malereien auch immer wieder Verweise auf die digitale Welt, auf einen Glitch, eine kaputte Bilddatei, auf ein ausgepixeltes Image zu identifizieren. Der Malerei hier also Anachronismus vorzuwerfen, ist verfehlt. Wie ein Spiegelbild eines Screens erinnern vor allem Thomas Reinholds jüngste Arbeiten oft an digitale Phänomene, die jedoch nicht einfach vom Schirm gewischt werden auf Nimmerwiedersehen, sondern die sich auf Leinwand für die Ewigkeit eingeschrieben haben.

Bilder, so wie Thomas Reinhold sie versteht, sind keine Abbilder von Wirklichkeit sondern handeln von der Wahrnehmung als solche. Bedächtig und meditativ arbeitet Thomas Reinhold an seinem Projekt Malerei und offeriert allen, die sich auf diese Bilder einlassen, eine schlichte wie einleuchtende und überaus wertvolle Erkenntnis: „Beim Malen geht’s ums Schauen.“

Lisa Ortner-Kreil

Kommende Ausstellungen 2025:
Gunter Damisch

 

März 2025


Hubert Schmalix 11.10. - 16.11.2024

Hubert Schmalix wurde 1952 in Graz geboren. Er studierte von 1971 bis 1976 Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien unter Maximilian Melcher. Seine frühen Arbeiten sind durch intensive Farben und einen expressiven Pinselstrich geprägt. Nach einem längeren Aufenthalt auf den Philippinen hielt der weibliche Akt als dominantes Motiv Einzug in das Schaffen Schmalix‘. In den 1980er-Jahren wurde er gemeinsam mit Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch und Alois Mosbacher als einer der wichtigsten Vertreter der „Neuen Malerei“ bzw. der „Neuen Wilden“ bekannt. Internationale Erfolge konnte der Künstler erstmals durch seine Teilnahme an der Biennale von Venedig 1980 verbuchen. Im Laufe der Jahre vollzog sich im Werk von Schmalix ein Wandel von expressiv-wild zu ruhig und naiv. 1987 verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt nach Los Angeles. Hubert Schmalix‘ Bilder der letzten Jahre weisen eine zurückhaltende Farbigkeit auf. Neben dem weiblichen Akt widmet sich der Künstler vermehrt der Landschaft und dem Blumenstillleben. Vor allem seine Landschaften zeichnen sich durch die Wiedergabe idyllischer, menschenleerer Orte aus und bilden Pendants zur urbanen Geometrie in den Darstellungen seiner Wahlheimat Los Angeles. Die wesentlichen Elemente seiner Malerei, die monochrome Fläche und die Konturlinie, werden durch gelegentliche Brüche in Spannung versetzt, sodass sie sowohl lebendig als auch klar erscheinen. 1997 wurde Hubert Schmalix an der Akademie der bildenden Künste zum Professor ernannt.

Kommende Ausstellungen 2024/ 2025:
MARC ADRIAN

 

November 2024

THOMAS REINHOLD

 

Jänner 2025